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Drusenreich |
LE CHIEN
QUI LIT |
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Drusenreich
– Teil 4 "Drusenreich" bedeutet, dass
Sie, liebe Leser, je nachdem, wie Sie den Inhalt dieser Seite beurteilen, von
den verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Drusen" die ihnen passend
erscheinende auswählen können. |
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Lfd.Nr. |
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1.
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Der Deutsche
Wald: jenseits von Gut und Böse? |
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2.
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Themenliste zu
meiner Blogseite http://beltwild.blogspot.com/ |
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3.
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Rezension: Lexikon der populären Irrtümer |
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4.
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Ausbeutung
oder Konsumverzicht: Recht, gerecht, oder richtig? |
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5.
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Kondratieff,
Rothbard und der Sacco di Roma |
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6.
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THE ICEBERG
READING OF AN ICEBERG LECTURE (über: Die Schatten der Globalisierung /
Globalization and its Discontents" von Prof. Joseph Stiglitz) |
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Drusenreich
- Teil 4 |
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7.
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8.
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Nur die totale Entfesselung des
Kapitalismus rettet unsere Umwelt! |
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9.
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IN THE
MACCHIA OF SPECIAL INTERESTS – A WELL OF CLEAR-CUT ANALYSIS? Bemerkungen zur Studie „THE ISRAEL LOBBY
AND U.S. FOREIGN POLICY“ der US-Politologen John J. Mearsheimer und Stephen
M. Walt und zu den publizistischen Reaktionen darauf |
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Drusenreich – Teil 6 N. N. |
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N. N. |
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N. N. |
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Eingestellt am: 15.10.04 Textstand vom: 29.10.07 |
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In einem Forum von Bündnis90/Die Grünen u. d. T.
"Alt und Jung - Zukunft gemeinsam gestalten" (==>)*
hatte ich am 14.10.04 den (hier leicht veränderten) nachfolgenden Text zur
Debatte gestellt. Da mich in meiner "Sozialphilosophie" mehr und
mehr die Frage der Vereinbarkeit von Fortschritt [den ich in diesem Zusammenhang
nicht als zunehmenden Wohlstand, sondern einfach als fortschreitende
wissenschaftlich-technologische Entwicklung verstehe; in diesem Sinne war z.
B. auch die Sowjetunion weit "fortgeschritten" (Stichwort:
Raumfahrt), obwohl ökonomisch rückständig], Umwelt(schonung), Gerechtigkeit
und Wohlstand (gewissermaßen ein "magisches Viereck" des
gesellschaftsbezogenen Denkens) in den Vordergrund tritt, und weil die u. g.
Überlegungen Teilaspekte davon anhand konkreter Situationen analysieren,
scheint es mir gerechtfertigt, den Text hier in meinem "Drusenreich"
zu konservieren. Vielleicht kann er auch jenen als Einstieg in mein
RENTENREICH dienen, denen der dortige Text
zu lang (oder der Gestus zu ironisch) ist. * Das Forum "Alt und
Jung: Zukunft gemeinsam gestalten "
wurde ca. 10 Tage nach meinem Beitrag bereits geschlossen. Vielleicht ist das
der Grund, weshalb keine Reaktionen erfolgt sind. |
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Gerechtigkeit für Familien ist, heute jedenfalls, nicht einfach eine
Frage von Idealen, sondern direkt praxisrelevant (Stichwort
"Geburtenrückgang"!). Im Zusammenhang mit einer Analyse der
Voraussetzungen und Folgen einer (teilweisen) Einführung des Kapitaldeckungsverfahrens
für die (gesetzliche) Rentenversicherung auf meiner Webseite RENTENREICH (Vorsicht: langer Text J!) habe ich auch die Frage der
(finanziellen) Gerechtigkeit für Eltern untersucht. Die m. E. beste
theoretische Fundierung dafür wäre die Postulierung eines
"Humankapitalsparrenditeanspruchs" bzw., da zweckmäßig nicht erst
ex post zu zahlen, eines "Humankapitalsparrenditenachteilsausgleichsanspruchs"
(ja, ja, ist ein langes Wort ... J) für Eltern in Deutschland. Human- und Sachkapital (sowie Boden und
"Unternehmungsgeist") sind die für die Produktion von Gütern und
Dienstleistungen üblicherweise als notwendig aufgeführten Faktoren (und
natürlich Wissen, das man sich allerdings als zum Humankapital gehörend vorstellen
kann). Streng ökonomisch betrachtet dürfte unser "demographisches
Problem" daraus resultieren, dass zwar das Humankapital selbst (also die
Arbeitnehmer) für ihre Arbeit (sowie auch für ihre Ausbildung aufgewendete
Arbeit) bezahlt werden. Diejenigen jedoch, die das "Humankapital"
überhaupt erst "produziert" und mit großen Kosten aufgezogen haben
(wobei bekanntlich die indirekten Kosten – Verzicht auf Berufstätigkeit i. d.
R. der Mutter – oft weitaus größer als die direkten Aufwendungen sind)
erhalten dafür keine angemessene Vergütung. Es ist deshalb wirtschaftlich nur
konsequent, wenn immer weniger Paare bereit sind, Kinder aufzuziehen. Diese Sicht der Dinge erschließt uns auch einen
Trittbrettfahrereffekt, der in der öffentlichen Diskussion (soweit mir
bekannt) bisher nicht erörtert (oder darf man sogar sagen: "erfolgreich
verdrängt"?) wurde. Es sind nämlich nicht nur die kinderlosen Rentner,
welche von der "Humankapitalproduktion" der Eltern profitieren
(wofür die Politik sie derzeit allmählich – und prinzipiell durchaus zu Recht
– an die Hammelbeine kriegen will). Die größten Nutznießer der
Aufwendungen der Eltern sind die Kapitalbesitzer, die ohne das Humankapital,
also die (früheren) Kinder, als, wie die Wirtschaftswissenschaft formuliert:
"Komplemente des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks für den
Produktionsprozess" keinerlei Gewinne / Renditen / Zinsen erzielen könnten
(und sogar, wenn sie selbst nicht arbeiten, elend verhungern müssten).
Trotzdem leisten sie keinerlei Zahlungen an die Eltern (bzw., wenn man
Kindergeld usw. als jedenfalls teilweise auch aus Kapitalertragssteuern
finanzierte Leistungen verstehen will, keine entfernt angemessene Zahlungen). Eine zumindest theoretisch
elegante und saubere Lösung wäre also die Erhebung einer "Humankapitalbereitstellungssteuer"
auf alle Kapitalerträge. Der Erlös daraus wäre (zweckmäßig während der Zeit
der Kinderaufzucht) an die Eltern zu transferieren, wobei aber dieser Transfer
nicht als (eine zwar wünschenswerte, aber nicht grundsätzlich zu
beanspruchende) "Sozialleistung", sondern eben als
"Renditenachteilsausgleich" (mit gleichwertigem Rechtsanspruch wie
der Renditeanspruch der Kapitalbesitzer) sowohl zu verstehen als auch zu
benennen wäre. Denn diese Zahlung ist schließlich der Ausgleich dafür, dass
die anderen dasjenige Geld, was die Eltern in ihre Kinder
"investieren" (bzw. nicht verdienen können, weil sie in der Familie
unbezahlt arbeiten) müssen, auf die Hohe Kante legen und also Zinsen kassieren,
oder aber dem Konsum zuführen können. Ein derartiger Ausgleich
wäre gerecht (vom Begründungszusammenhang her vielleicht sogar noch gerechter
als z. B. die "Tobinsteuer" auf spekulative Finanzgeschäfte), und zugleich
wäre das eine praktische Lösung für die absehbaren demographischen Probleme
der Rentenfinanzierung. Mir scheint indes, dass
die Gerechtigkeit (und soziale Zweckmäßigkeit) (nicht nur) hier in einen
Konflikt mit der umweltpolitischen Zweckmäßigkeit gerät. Man kann den
Rückgang der Geburtenrate in den (meisten) Industriestaaten schließlich auch
als einen (unbewussten) Akt der gesellschaftlichen Umweltvernunft (vermittelt
durch gesellschaftliche Mechanismen, die "eigentlich" gar nicht
diese Zielsetzung haben) begreifen. Dann aber wäre alles, was eine Förderung
des Kinderkriegens bewirkt, durchaus kontraproduktiv (gar: "widernatürlich"?).
(Das gilt entsprechend natürlich auch für die Einwanderung.) Es würde mich
interessieren, welche Meinung die anderen Forenteilnehmer zu dieser Frage
bzw. Problematik vertreten. Am Rande sei noch vermerkt, dass mir , wie ich ebenfalls in meinem o.
a. "Nessay"
näher ausgeführt habe, das Engagement der "Grünen" für das
Kapitaldeckungsverfahren (Stichwort: "Riester-Rente") im Widerspruch
zu deren umweltpolitischer Zielsetzung zu stehen scheint. Die Befürworter des
Kapitaldeckungsverfahrens, darunter insbesondere Prof. Hans-Werner Sinn,
glauben ja, mit Hilfe des Kapitaldeckungsverfahrens (u. a.) die inländische
Investitionsquote steigern zu können und hoffen, dass dadurch letztlich die
Produktion gesteigert und im Ergebnis ein höher Konsum der Rentner (im
Vergleich zu einer sonst aufgrund der demographischen Entwicklung geringere
Rente) ermöglicht wird (vgl. das Rentengutachten der Wirtschaftswissenschaftler
von 1998). Eine erhöhte Produktion dürfte jedoch einerseits einen erhöhten Umweltverbrauch
nach sich ziehen (auch wenn natürlich die Ressourcennutzung im Zuge der
technologischen Entwicklung verbessert wird). Zum anderen gerät aber auch die
Politik dann in den Zugzwang, Investitionen zu fördern und nicht (und sei es
auch aus guten umweltpolitischen Gründen) zu behindern. Da is dann nix mit
Reiseverkehrssteuer, wenn die Renditen erst einmal direkt für die Rentner
erkennbar (z. B.) aus den Erträgen des Frankfurter Flughafens fließen
(sollen)! Nachtrag 29.10.07: Solide Daten über die
biologische 'Tragfähigkeit' Deutschlands bei einer Wirtschaftsweise ohne
Erdöl und über die (Begrenztheit der) Substitutionsmöglichkeiten für Öl
liefert ein Blogger (und Physiker) namens Bernd Ohm in einem auch sprachlich vorzüglich formulierten
Aufsatz vom 20.11.2006 u. d. T. "Grassierender
Kinderwahn. Warum unsere Geburtenrate noch viel zu hoch ist." Er
kommt auf einen Wert von 22 Millionen Einwohnern, wobei er aber einräumt,
dass einige der begrenzenden Faktoren noch nicht einmal berücksichtigt sind. |
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Nur die totale
Entfesselung des Kapitalismus rettet unsere Umwelt! |
Eingestellt
am: 03.12.04 Ggf.
Textstand vom: 14.01.05 |
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Die Anregung zu den nachstehenden Überlegungen kam aus der Lektüre von zwei völlig verschiedenen Texten. Zum einen der umfangreichen Auszüge aus dem Buch "Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert. Der Weg zu einer ökologisch-sozialen Gesellschaft" von Franz Groll, hier ==> nachzulesen. (Wer keine Zeit oder Lust hat, diese umfangreiche Darstellung zu studieren, findet hier: ==> die Überlegungen Grolls zusammengefasst in seiner "Denkschrift zur aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Situation in Deutschland mit Vorschlägen zur Überwindung der Krise unter Berücksichtigung mittel- und langfristiger finanzieller und ökologischer Erfordernisse". Seine noble Hoffnung: die Menschheit entsagt der Gier, verteilt den Reichtum gerecht – und dann sind nicht nur die sozialen Probleme weltweit, sondern zugleich auch die Umweltprobleme gelöst. Wünschte, ich könnte das glauben. Kann ich mir aber schwer vorstellen, dass wir 6 Milliarden Menschen (oder gar noch mehr) weltweit auch nur halbwegs auf unser Wohlstandsniveau hieven können, ohne dass die Umwelt total kollabiert und die natürlichen Ressourcen binnen kürzester Zeit völlig ausgeplündert sind. Da ist Roger Köppel (und das war die andere Anregung) realistischer. In seinem Kommentar "Bush, Krieg, der Westen" in der "Welt" vom 03.11.04 spricht von dem "gewalttätige(n) Kern, ohne den auch die westliche Zivilisation nicht auskommt, wenn sie ihre Fähigkeit erhalten will, sich gegen ihre Feinde zu behaupten". So muss man die Welt ehrlicher Weise wohl sehen: "Eine
friedliche Ordnung wird nicht durch Verträge und internationale
Organisationen hergestellt. Ordnung setzt Gewalt voraus, die andere Gewalt
verdrängt. Die überlegene Gewalt, die den Frieden sichert, geht dem Frieden
voraus und ist nicht auf seine Regeln rückführbar. Dass solche Einsichten von
der Front seiner Kritiker verdrängt werden, ist George W. Bush nicht
anzulasten. Zu streiten wäre darüber, wie klug und wie erfolgreich er die
militärische Drohung wahrmacht. Auf den Präsidenten Bush könnten Amerika und
Europa verzichten, nicht aber auf die Bereitschaft der Vereinigten Staaten,
sich als hegemonialer Hüter der westlichen 'Weltgewaltordnung' (Hondrich)
gegen alle Widerstände zu bewähren." Die Frage ist, wie lange wir den "gewalttätigen Kern" nur benötigen, um uns gegen unsere Feinde zu verteidigen – und ab wann die harte Faust zur Futterbeschaffung eingesetzt werden muss. Man kann den Eindruck haben, dass aus der Sicht der in den USA herrschenden Kreise dieser Fall bereits jetzt eingetreten ist. Wir alten Europäer segeln bislang noch moralisch in friedlichen Gewässern und ressourcenökonomisch im Rohstoff-Sicherungsschatten der US-Streitmacht. Schön für uns, und für unser Gewissen! Aber lange Dezennien wird es nicht mehr dauern, bis auch wir sehr viel direkter als bisher mit dieser Frage konfrontiert sein werden. Es sei denn, dem Kapitalismus gelingt es, unseren Umweltverbrauch schnell und massiv zu reduzieren. Dies auf dem Wege einer Pauperisierung der Massen zu erreichen, wäre zwar ein recht unangenehmer Weg, aber derzeit marschieren wir, wie es scheint, munter in diese Richtung. Versuchen wir also einfach, nicht immer alles negativ zu sehen, sondern der Entwicklung positive Aspekte abzugewinnen – z. B. wie folgt: |
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Schon im Vergleich zum Sozialismus, jedenfalls in seiner realen
Ausprägung, ist der Kapitalismus schonender mit der Umwelt umgegangen. Das
aber betraf nur die technologische, gewissermaßen "betriebliche"
Ebene. Kleine Verbesserungen im Ausnutzungsgrad von Energie oder in der
Reduzierung des Materialverbrauchs, oder verbesserte Filter zum Zurückhalten
von Schadstoffen reichen jedoch heute nicht mehr aus. Was wir benötigen, um
eine kurzfristig eintretende Erschöpfung der Ressourcen und die Zerstörung
der Umwelt (Klima!) jetzt noch zu verhindern (oder wenigstens noch um einige
Jährchen hinaus zu schieben) ist ein fundamentaler systemischer Wandel. Da sind viele dafür, und schlagen eine "ökologische
Marktwirtschaft" oder "Nachhaltiges Wirtschaften" vor. Hört
sich gut an, doch fürchte ich, dass man Lösungshoffnungen dieser Art als eine
Form von "second order denial" bewerten muss. Ebenso wie bei
letalen Krankheiten – Krebs usw.[1]
– kann man nämlich auch beim Abstreiten unserer massiven (bevorstehenden)
Umweltprobleme unterschiedliche Grade des Leugnens diagnostizieren (wir
wollen schließlich Ordnung haben auf unserem Weg in die totale Entropie!).
Den ersten Grad behandelte William R. Catton jr., Professor Emeritus der
Soziologie an der Washington State Univ., in seiner Studie "The Problem
of Denial" (==>).
Da geht es um die ganz hartgesottenen Cornucopians (ich übersetzte diesen
Begriff mit "Füllhornisten"; und den Gegensatz, auf Englisch
"Neo-Malthusians", mit "Sintflutisten", zu denen übrigens
auch ich gehöre), die glauben, dass uns schon was Neues einfällt, wenn irgendeine
Ressource ausfällt. Oder dass das Erdöl noch tief in der Erdkruste steckt und
nur darauf wartet, dass wir es rauslassen
– deep crust, deep trust – oder, eines Tages, der große Frust? [Wer mehr über die Theorie der abiotischen
Erdölentstehung wissen will, kann das z. B. unter folgenden Links erfahren:
Bei der FAZ = ==>; bei der Neuen Zürcher Zeitung = ==>. In englischer
Sprache gibt es natürlich noch viel mehr, etwa: enviroliteracy
oder hwww.rense.com oder www.aapg.org
oder gasresources.net ... usw.] Anhängern der "ökologischen Marktwirtschaft" kann man nicht
vorwerfen, dass sie das Umweltproblem leugnen. Deshalb stelle ich dort die
Diagnose "Second Order Denial": man verschließt die Augen nicht vor
der Krankheit. Aber man hofft doch, mit ein paar mehr oder weniger
kosmetischen Korrekturen, Umweltsteuerpalliativen und so, vor allem aber mit
einem irgendwie "gerechteren" Wirtschaftssystem, welches möglichst
alle Menschen gleichmäßig glücklich machen soll (insbesondere, indem es das
Konsumpotential möglichst gleichmäßig verteilt), die Sache in den Griff zu
kriegen. Also im Grunde Benthams "Greatest happiness of the greatest
number"; ja, ja, an sowas hab' ich auch mal geglaubt! Indes nützt es uns herzlich wenig, wenn wir dem Porsche-Fahrer sein
Geld wegnehmen, die Kohlen gerecht auf die anderen aufteilen und wir am Ende
alle gleichmäßig z. B. als Polo-Lenker unsere Erdölressourcen verpuffen. Mit
anderen Worten: nicht das Wirtschaftssystem ist das primäre Problem, es ist
der Stand der Technologie, d. h. unsere enormen Möglichkeiten der
Ressourcenausbeutung. Aber ganz besonders ist es die schiere Zahl von
hochentwickelten Ex-Affentieren, welche die Kruste des Globus abknabbern, wie
die Rentiere die Flechten von der Kruste der Insel des Heiligen Matthäus
weggeputzt haben (cf. David R. Klein: THE INTRODUCTION, INCREASE AND CRASH OF
REINDEER ON ST. MATTHEW ISLAND; Link: http://dieoff.org/page80.htm).
Da hilft nur eines: Triage! Garrett Hardin hat es schon 1968 in seinem
berühmten Umwelt-Essay "The Tragedy of the Commons" (Link z. B.
hier: garretthardinsociety.org)
glasklar aufgezeigt (und sich, in erschreckender persönlicher
Konsequentialität, gemeinsam mit seine Frau von der Welt verabschiedet, als
er alt und schwach war). Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, will ich es mal
euphemistisch beschreiben: "Triage" ist der Name einer Insel, einer
Rettungsinsel nämlich, welche unser Kapitalismus schon volle Fahrt voraus
ansteuert. Der Kapitalismus muss nichts begreifen, wie wir Ameisen des
Geistes. Der Kapitalismus, die möglichst ungehinderte, besitzbasierte
Konkurrenzwirtschaft also, ist das gesellschaftlich organisierte
Begriffen-Haben! Allein ein entfesselter Kapitalismus ist in der Lage, die
übergroße Zahl an Euhomininen euphemisierend zu euthanasieren. Auf welche Weise kann der Ressourcenverbrauch in einer systemischen
Dimension drastisch gesenkt werden? Indem das Konsumpotential der Massen
drastisch reduziert wird! Und kein menschliches Sinnen könnte das gerechter
organisieren als die unsichtbare Hand des kapitalistischen Wirtschaftssystems.
Raffgier o. ä. der Kapitalisten sind allenfalls der psychologische Grund,
nicht aber die tiefere systemische Begründung für eine verschärfte
Konzentration des Kapitals in den Händen von wenigen: it's the environment,
stupid! Nur indem es immer größeren Massen immer schlechter geht, können wir
diese veranlassen, ihre Replikation zu reduzieren, vielleicht sogar
freiwillig schon vorzeitig von ihrer ressourcenverzehrenden Realexistenz zu
demissionieren. Deshalb ist es völlig richtig, wenn man uns sagt, dass die
gegenwärtigen Reformen des Sozialstaates erst der Anfang sind. (Und deswegen
sind, nebenbei bemerkt, beispielsweise auch Gedanken an Grundeinkommen oder
Bürgergeld nichts als Blütenträume behüteter bourgeoiser Blumenkinder.) Die
Pauperisierung der Massen, die sich mit der neuerlichen historischen
Umkehrung der Kuznets-Kurve (http://economics.about.com/cs/economicsglossary/g/kuznets_curve.htm) nunmehr langsam in Gang setzt, ist also
im menschheitsgeschichtlichen Sinne alles andere als ein Unglück. Sie ist vielmehr
der einzige politisch akzeptable Weg zur Erhaltung intelligenten Lebens auf
diesem unserem Planeten (des restlichen intelligenten Lebens, jedenfalls). Für alle, die das nicht so sehen, lässt zwar das Kapital, etwa durch
das Cato-Institut, Rauchgranaten abschießen. So z. B. in der
"Policy Analysis" Nr. 449 vom 26. August 2002 den Aufsatz
"Sustainable Development. A Dubious Solution in Search of a Problem"
(http://www.cato.org/pubs/pas/pa449.pdf) von
Jerry Taylor, seinerzeit "Director of natural resource studies at the
Cato Institute" (http://www.cato.org). Der substituiert Ökonomie und Ökologie mit
Mathematik und verheißt einem jeden Amerikaner (also letztlich dann wohl auch
anderen entwickelten Völkern) Bill-Gates-Einkommensniveau in 400, vielleicht
sogar nur 100, Jahren: "The math
is actually quite simple. If Also am Ende doch Triage, sort of? Selbst wenn ich es um der größeren
Sache willen akzeptieren müsste, dass ich dabei sehr wahrscheinlich in die
Kategorie der auf die Triage-Insel Outgesourcten fallen würde, bleibt doch
eine beunruhigende Menschheitsfrage offen. Wer oder welcher
Selektions-Mechanismus garantiert, dass nicht auch Mickerlinge vom Typ Prinz
Eugen oder Napoleon (den echten meine ich natürlich, nicht den an seinem
sozialistischen Quell-Schaum gescheiterten Saar-Napoleon!) oder auch andere
zu kurz geratene Nützlinge (Wissenschaftler, Künstler, Visionäre usw.; kann
leider kein Beispiel nennen, weil deren Körpermaße nicht so berühmt sind )
bei einer spezifisch kapitalkonzentrationsgenerierten Triage aus dem Boot
fallen? Dürfen tumbe Besitzerben drinnen in jenen Passagierkabinen verharren
(an den Rudern, den richtigen, meine ich, sitzen sie ja sowieso nicht),
welche ihnen von ihren Eltern ersessen wurden wie vererbliche Kirchenstühle? Irgendwie wäre es vielleicht doch schade, wenn das Besitzprinzip am
Ende zu einer negativen Selektion führen würde. P. S. Wenn Sie in meinem Text die Smilies vermissen: Haben Sie eine bessere
Idee, den Ressourcenverbrauch schnell zu reduzieren? Ich meine, eine humanere
Idee; nicht Sachen wie "Gib Aids eine Chance" oder
"Neutronenbombe neutralisiert Umweltschädiger"? Andererseits: "Nonsense on stilts",
sagt Mr. Taylor: "A careful review
of the data ... finds that resources are becoming more — not less — abundant
with time and that the world is in fact on a quite sustainable path at
present." Na wenn
das so ist, brauchen wir uns ja keine Gedanken mehr zu machen. Wir wussten
doch schon immer, was bei den Ressourcen im Bush ist! |
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Nachspann (14.01.05): "Kindermund
tut Wahrheit kund"? Mag manchmal so sein; in diesem Falle muss ich aber
eine Variante verwenden: "Schweizermund tut Wahrheit kund". [Was
übrigens, zeterum censeo, nichts an meiner Abneigung gegen die Schweiz – und
andere Kapitaloasen – in ihrer parasitären Funktion als Steuerdrainagesystem
ändert.] Dies nicht nur, weil Roger Köppel (s. Vorspann) Schweizer ist, der den Germemmen mal die Meinung sagt. (Und das tut er aus Prinzip; jedenfalls zitiert ihn "newsroom.de" (è) wie folgt: "Es war immer die Aufgabe der Zeitung, Dinge auszudrücken, die man nicht gerne hört", begründet der 39- Jährige seine Einstellung gegenüber dem Medienmagazin INSIGHT.) Aus der Schweiz kommt Christoph Lauterburg. Der hat ein Buch geschrieben: "Fünf nach Zwölf" heißt es. Kennen Sie nicht, gelle? Kannte ich auch nicht, und habe ich erst vor wenigen Tagen gefunden (und vorerst nur angelesen), auf der Webseite von Olf Dorlach aus Zwickau. "Ex oriente lux": ja, ja, da wurde mir wirklich aus den Neuen Bundesländern ein Licht aufgesteckt! Ihnen vielleicht auch, falls Sie sich trauen, hier weiter zu lesen. In meiner Begeisterung vervielfältige ich mal den Vorspann (= Inhaltsbeschreibung aus dem Schutzumschlag?) und präsentiere ihn hier meinen Lesern, um ihnen vielleicht ein klein wenig Neugier (oder Horror?) einzuflößen. Lauterburg ist, endlich mal, Umweltrealist, und somit das genaue Gegenteil z. B. von Franz Groll (s. Vorspann). "Die gesellschaftlichen und
ökologischen Megatrends werden in einigen Jahrzehnten zu einem weltweiten
Crash führen. Christoph Lauterburg zeigt, dass es weder Instrumente noch
Instanzen gibt, welche diese Entwicklung aufhalten können. Er beschreibt, was
es für Überlebensmöglichkeiten gibt und wie man emotional mit einer
solchen Zukunftsperspektive umgehen kann. Ein Crash menschlicher Zivilisation
bedeutet nicht das Ende des Lebens auf diesem Planeten. Die Evolution wird
weitergehen und – wie schon mehrmals nach globalen Katastrophen – eine neue
Artenvielfalt hervorbringen. Zur Zeit bahnen sich zwei für die
Menschheit existentielle Katastrophen an: der Zerfall gesellschaftlicher
Strukturen und die Zerstörung der biologischen Lebensgrundlagen. Christoph
Lauterburg, renommierter Unternehmensberater, schreibt mit einer aus öffentlichen
Debatten kaum gewohnten Offenheit über die Konsequenzen der grundlegenden
Trends: Überbevölkerung, Konzentration der Menschen in urbanen Ballungszentren,
Globalisierung der Wirtschaft, zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten,
Migrationsbewegungen, Verwahrlosung und Kriminalisierung der Jugend,
Bürgerkriege, politischer Terror und organisiertes Verbrechen, radikale
Zerstörung der Umwelt. Das Buch zeigt auf, dass das menschliche
Denken sowie die vorhandenen Ordnungs- und Steuerinstanzen der Komplexität
des Geschehens längst nicht mehr gewachsen sind. Es herrscht kollektive
Überforderung. Der Autor hält es in dieser Situation für falsch, das Thema
Crash zu tabuisieren. Unverblümt benennt er die konkreten Konsequenzen für
die menschliche Zivilisation und beschreibt, wie man sich rational und emotional
auf das, was kommt, einstellen kann. Das Buch schließt mit einer positiven Perspektive:
Die Evolution geht weiter. Das Leben auf dem blauen Planeten hat eine Zukunft. Christoph Lauterburg ist selbständiger
Organisations- und Managementberater, Autor des Buches Vor dem Ende der
Hierarchie (1978, 3. Auflage), Koautor des Bestsellers Change Management
(1996, 5. Auflage) und Mitherausgeber der Zeitschrift für Organisationsentwicklung." Noch
ein Nachspann, vom 22.07.05: Bei
Abfassung des obigen Nessay war mir noch nicht so recht bewusst, dass das
Umweltproblem –2- gegenläufige Dimensionen hat: einerseits den Verbrauch
nichterneuerbarer Ressourcen und andererseits die Verschmutzung, oder
überhaupt die Veränderung, der Umwelt. Wenn
und indem wir die Wirtschaftsleistung steigern, können wir hoffen, die
Umweltverschmutzung, Klimaänderung usw. wenigstens einzudämmen, weil wir dann
für den Einbau von Filtern usw. genügend "übrig" haben (bzw. sich
der Zwang zum "Abzweigen" von Mitteln für den Umweltschutz
politisch leichter durchsetzen lässt). Allerdings müssen wir für eine Steigerung
der Wirtschaftsleistung den Ressourcenverbrauch beschleunigen. Dämmen wir die
Wirtschaftsleistung ein, stehen nicht nur auf der betrieblichen Ebene nicht
genügend Mittel für Umweltschutzmaßnahmen zur Verfügung, sondern diese Mittel
fehlen auch schon auf der Ebene der universitären und industriellen
Forschung. Wir
sitzen also ziemlich in der Tinte – oder in der Suppe, die wir uns
eingebrockt, aber nicht ausgesucht haben. Wir hatten keine Wahl, wenn wir
nicht wieder auf die Bäume zurück klettern wollten. Jegliche gesellschaftliche
Lebensweise, die über die Stufe von Jägern und Sammlern, und eine primitive
Agrarwirtschaft, hinausgeht, ist – mit freilich unterschiedlich langen
Fristen – nicht nachhaltig, nicht "sustainable". |
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...
und hier, liebe Netznestnutzer, Gelegenheiten satt zum Seitensprung:
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Heimatreich -
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KRÄHENREICH |
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[1] Das ganze "Denial"-Konzept stammt aus der Erforschung des
psychologischen Umgangs mit Krebs. Näheres dazu z. B. in dem Aufsatz "Denial
and minimization in advanced cancer" von Mary L.S. Vachon, RN, PhD, Link ==>, wo es u. a. heißt:
"Thirty years ago, Dr. Avery Weisman wrote in 'On Dying and Denying' of
three orders of denial. In first-order denial the individual denies the main
facts of the illness. Second-order denial may appear after the diagnosis is
accepted; the individual denies the significance or implications of the
illness. In third-order denial there is an inability to believe that the
illness will result in death – the person believes he or she will remain in
this incapacitated state forever.".